Grundsätzlich müssen gesetzliche Krankenkassen (GKV) eine flächendeckende, bedarfsgerechte und wohnortnahe Versorgung ihrer Versicherten gewährleisten. Darüber hinaus müssen sie rechtzeitig für die notwendige Behandlung ihrer Versicherten sorgen. Falls Sie trotz angemessener Suchaktivitätenbei einem niedergelassenen Psychotherapeuten nur nach einer unzumutbar langen Wartezeit einen Therapieplatz finden, ist Ihre GKV nicht in der Lage, diesen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. In diesen Fällen haben Sie das Recht, sich die notwendige Leistung selbst zu beschaffen. Die Kosten, die Ihnen durch diese selbst beschafften Leistungen entstehen, muss die GKV erstatten. Dieser Anspruch ist in §13 Absatz 3 SGB V gesetzlich geregelt und gilt gegenüber allen GKVen.

 

Folgende konkrete Tipps zum Vorgehen bei der Antragstellung gibt die Bundespsychotherapeutenkammer, damit die GKV die Kosten übernimmt:

  • Kontaktieren Sie zuerst möglichst viele von den Kassen zugelassene Psychotherapeuten in Wohnortnähe und fragen Sie nach einem freien Behandlungsplatz.
    Wenn Sie zeitnah einen Termin erhalten, nehmen Sie ihn wahr.
  • Da Sie nachweisen müssen, dass keine rechtzeitige Behandlung bei Psychotherapeuten mit Kassenzulassung möglich war, protokollieren Sie Ihre Anrufe (Name, Datum, Uhrzeit und frühest-möglichen Behandlungstermin). Üblicherweise reichen hier Anfragen bei 3 bis 5 Behandlern.
  • Teilen Sie Ihrer Krankenkasse schriftlich mit, dass kurzfristig kein Therapiebeginn bei einem zugelassenen Psychotherapeuten in Wohnortnähe möglich war. Legen Sie dem Schreiben Ihr Anrufprotokoll bei und bitten Sie Ihre Kasse, Ihnen im Rahmen einer angemessenen Frist (z.B. eine Woche) einen Psychotherapeuten mitzuteilen, bei dem Sie zeitnah einen Termin in Wohnortnähe erhalten. (Muster auf Anfrage über Mail)
  • Nach Verstreichen dieser Frist suchen Sie einen approbierten Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung. Diesen bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung zur Weitergabe an Ihre Krankenkasse, dass für Sie eine umgehende Behandlung notwendig ist und er Ihnen kurzfristig einen freien Therapieplatz anbieten kann.
  • Anschließend beantragen Sie bei Ihrer Krankenkasse die konkrete Behandlung durch diesen Psychotherapeuten sowie die Erstattung der dafür notwendigen Kosten nach § 13 Absatz 3 SGB V.
  • Wird der Antrag auf Kostenübernahme von der Krankenkasse abgelehnt, kann der Versicherte Widerspruch einlegen. Ein Musterschreiben findet sich im BPtK-Ratgeber Kostenerstattung.
  • Weitere Informationen sowie Musterschreiben finden Sie im BPtK-Ratgeber für psychisch kranke Menschen "Kostenerstattung" und auf Anfrage bei mir per Mail.

 Das ganze noch einmal in Kurzform und Handlungsanleitung:

  •  Wenn Sie bei Ihrer Kasse einen Antrag auf Kostenerstattung für die Psychotherapie stellen, müssen Sie nachweisen

    (1) dass Ihr Anliegend dringend ist,
    (2) Sie sich bei mehreren zugelassenen Therapeuten um einen Termin bemüht haben
    (3) der Therapeut, bei dem Sie die Therapie machen wollen, die gleiche Qualifikation hat, wie die der bei der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassenen Therapeuten.

    zu (1) Bitten Sie Ihren Hausarzt oder Facharzt (Neurologe, Psychiater, Frauenarzt etc.) um ein Attest, dass Sie dringend eine Psychotherapie brauchen. Etwa mit folgendem Wortlaut:

    "Hiermit bestätige ich die Dringlichkeit einer Psychotherapie bei der o.g. Patientin/ dem o.g Pat. Frau/Herr …. befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen gesundheitlichen Verfassung. Sie/Er sollte baldmöglichst eine adäquate Psychotherapie bei einem qualifizierten Therapeuten durchführen, damit sich ihr/sein gesundheitlicher Zustand nicht weiter verschlechtert. Ein stationärer Aufenthalt kann dadurch wahrscheinlich verhindert werden. Die Maßnahme ist damit dringend notwendig und wirtschaftlich. Ob sie aussreichend ist, darüber entscheidet der weitere Verlauf."

    zu (2) Rufen Sie 5-6 Therapeuten in für Sie zumutbarer Nähe an.
    Notieren Sie Name, Zeitpunkt des Anrufs und wann Sie frühestens bei ihm/ihr einen Termin bekommen. Sollten Sie gleich einen Termin bekommen, dann nehmen Sie diesen wahr. Ansonsten melden Sie sich wieder bei mir.

    zu (3) Sie bekommen von mir beim ersten Termin den Nachweis meiner Qualifikation und einen Musterantrag für Ihre Krankenkasse. Dieser erste und zwei weitere Termine werden als "Biographische Anamnese / Erstgespräch zur Feststellung der Indikation für eine Psychotherapie" berechnet (GOÄ 860 1.212facher Satz = 65.- €). Falls die Kasse die Therapie genehmigt, werden sie als Probatorische Sitzung mit der Kasse verrechnet. Falls die Kasse die Therapie ablehnt, müssen Sie leider die Kosten selber tragen. 
    Für die Kasse ist es ein Nullsummenspiel, da ich nur das Honorar verlange, das sie einem zugelassenen Therapeuten auch bezahlen müssten. Weisen Sie Ihre Krankenkasse darauf hin, dass Sie einen Rechtsanspruch haben, Sie sich um einen Therapieplatz bemüht haben, es die Kasse keinen Cent mehr kostet und die Kasse Ihnen im Falle der Ablehnung einen Therapieplatz innerhalb von 6 Wochen in zumutbarem Umkreis verschaffen müssen.

    Ich hoffe, Ihnen mit diesen Hinweisen geholfen zu haben. Sollten Sie noch Fragen haben, kontaktieren Sie mich am besten über meine eMail-Adresse.